G7-Gipfel auf Schloss Elmau und Bilderberger-Treffen in Telfs

Teuerstes Kaffeekränzchen der Welt

Ein irrer Affenzirkus, über das Einige wie Jürgen Haase, ein Demonstrant in Garmisch-Partenkirchen, treffend witzelten, dass Merkel mit dem größten Aufwand für ein ergebnisschwaches Treffen wohl ins Guinness-Buch der Rekorde wollte. Immerhin hat dieser Gipfel erfolgreich vom direkt anschließenden Treffen der heimlich einflussreichen ‘Bilderberger’ ganz in der Nähe abgelenkt.G7 2015 in Elmau: runder TischVon den ‘Ergebnissen’ des Gipfels, ist das, welches in den Massenmedien am Meisten hervorgehoben wurde, nämlich ‘ehrgeizige’ Klimaschutz-Ziele, völliger Humbug. Das Wichtigste, das aus meiner Sicht beim Gipfel selbst herausgekommen ist, ist ein Nicht-Ergebnis: nämlich dass die Amis mit ihrer Kriegstreiberei gegen Russland offenbar nicht weitergekommen sind.

Es gibt auch tatsächlich handfeste positive Ergebnisse, wenn auch nur nebenbei bedingt durch die Kontrolle von rund 105.000 Personen an den bayrischen Grenzen, wie die Bundespolizeidirektion München berichtet:

[…] Die Bundespolizisten stellten in diesen 14 Tagen mehr als 8.600 Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz fest. Sie verweigerten ca. 430 Personen die Einreise. Darüber hinaus deckten sie etwa 150 weitere Straftaten wie etwa Urkundendelikte, Rauschgiftdelikte und Vergehen nach dem Waffengesetz auf. […] Die Beamten haben rund 350 gesuchte Personen festgestellt und hierbei knapp 60 Haftbefehle vollstreckt. […]

“Unser Einsatzkonzept ist voll aufgegangen. Die Einführung der Grenzkontrollen und die lageangepasste Präsenz der Bundespolizei-Fahnder sowohl im Grenzraum als auch in Zügen und an Bahnhöfen hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass gewaltbereite Personen gar nicht erst versucht haben, in die Veranstaltungsregion im Süden Deutschlands zu reisen”, zeigt sich Präsident Hubert Steiger, Leiter der Bundespolizeidi-rektion München, zufrieden. “Dass neben den vollstreckten Haftbefehlen eine enorm hohe Anzahl von Straftaten im Bereich des Aufenthaltsgesetzes — illegale Einreise und Schleusungskriminalität — aufgedeckt wurde, bestätigt zudem dass Grenzkontrollen auch über den kurzfristigen Anlass G7-Gipfel hinaus ein signifikantes Plus an Sicherheit in der Grenzregion bewirken können” […]

Das entscheidendere Treffen

Kurz danach begann die Bilderberger-Konferenz, die vom 11. bis  14. Juni 2015 im nur 45 km entfernten Telfs-Buchen. Diese ist sicherlich entscheidender und wohl der eigentliche Grund für die Verschiebung des eigentlich schon lange für drei Tage vorher geplanten G7-Treffens. Dort ging es nach ersten Quellen um die Abschaffung des Bargeldes, den Ukraine-Konflikt und die Förderung der Flüchtlingsströme nach Europa. Ursprünglich war die Reihenfolge anders herum geplant.

Zu diesem Treffen ein ausgezeichneter, sehr lesenswerter aktueller Artikel, der auch die Hintergründe dieser Art von Treffen erklärt und die irrwitzigen Sicherheitsmaßnahmen im Umfeld des Tagungsortes beschreibt. Davon konnte ich mir am 14.6. auch selbst ein Bild vor Ort machen. So war im Umkreis von 50 km eine Flugverbotszone für private Flüge eingerichtet worden, die mit mobilen Radaranlagen in den umliegenden Tälern und Flugabwehr-Raketenstationen innerhalb der Hotelanlage durchgesetzt wurden. Das folgende Video habe ich von der Radarüberwachung des Tales bei Leutasch-Moos nördlich von Buchen aufgenommen.

Es waren mehrere tausend österreichische und bayrische Beamte im Einsatz (wobei die grenzüberschreitende Amtshilfe als unmittelbarer Ausgleich für die umgekehrte Amtshilfe direkt davor anlässlich des G7-Gipfels zu sehen ist), zudem einige österreichische Soldaten und diverse private Sicherheitsdienste. Das Gelände rings um das Interalpen-Hotel war durch die örtliche Polizei aus angeblich völkerrechtlichen Erfordernissen unter Androhung von bis zu 500€ Strafe bei Nichtbeachtung abgesperrt.Absperrung im Wald um das Interalpen-Hotel

Auf der wie immer höchst öffentlichkeitsscheuen Veranstaltung tummeln sich ca. 140 hochrangige Gäste aus der westlichen Welt, insbesondere den USA, diesmal u.A. mal wieder Henry Kissinger, außerdem die deutsche Verteidigungsministerin und ihre Vertreterin, drei Google-Spitzenleute, der aktuelle und ein ehemaliger Siemens-Chef, der Airbus-Chef, die Leitung wichtiger Medienkonzerne und akademischer Einrichtungen sowie diverse einflussreiche Banker. Die offizielle Liste der Themen (im Englischen alphabetisch sortiert) klingt vielseitig und relevant, ist aber sicherlich nicht vollständig:

  • Künstliche Intelligenz
  • IT-Sicherheit
  • Bedrohung durch chemische Waffen
  • Aktuelle wirtschaftliche Probleme
  • Europäische Strategie
  • Globalisierung
  • Griechenland
  • Iran
  • Naher Osten
  • NATO
  • Russland
  • Terrorismus
  • Großbritannien
  • USA
  • US-Wahlen

Nach den (nicht sehr detaillierten/verlässlichen) Informationen über frühere Treffen wurden vermutlich auch 2015 wieder entscheidende Weichen für die kommenden Jahre gestellt, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass viele Teilnehmer früherer Treffen kurz nach ihrer Teilnahme ihre entscheidenden Karrieresprünge machten, insbesondere

  • 1991 Bill Clinton, danach US-Präsident
  • 2008 Barack Obama, danach US-Präsident
  • 1997 Margaret Thatcher, danach britische Premierministerin
  • 1993 Tony Blair, danach Labour -Chef und später britischer Premierminister
  • 1973 Helmut Schmidt, danach dt. Bundeskanzler
  • 1982 Helmut Kohl, danach dt. Bundeskanzler
  • 2005 Gerhard Schröder und Angela Merkel, danach Misstrauensvotum gegen Schröder und neue deutsche Kanzlerin Merkel
  • 2003 Jean-Claude Trichet, danach Präsident der Europäischen Zentralbank
  • 2003 Ex-Maoist José Manuel Barroso, danach Präsident der Europäischen Kommission
  • 2009 Herman van Rompuy, danach Präsident des Europäischen Rates
  • 2013 Christine Lagarde, danach IWF-Chefin
  • 1994 Jürgen Schrempp, danach Daimler-Chef
  • etc.

Und das Ganze findet — wie immer — unter Ausschluss der Öffentlichkeit und jeglicher demokratischer Kontrolle statt. Unsere Mainstream-Medien verschweigen diese Veranstaltungen soweit es nur geht, bis auf wenige Ausnahmen wie österreichische Lokalmedien, N24 und die Deutsche Welle, wobei die vorhandenen Berichte an der Oberfläche bleiben oder gar offensichtlich der Abwiegelung dienen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Irre Sicherheitsaufwände für G7

In der Woche vor dem Polit-Theater am 7./8. Juni 2015 war ich auf Familien-Urlaub in Kochel, also 20 km Luftlinie nördlich von Schloss Elmau bei Klais. Einfach irre, wie viel Polizei da schon mit Autos, Kleinbussen, Motorrädern und teils zu Fuß und zu Pferd unterwegs war, um im weiten Umkreis Personen zu kontrollieren, Barrieren zu errichten und möglichen Anschlägen z.B. durch Versiegeln von 3.600 kleinen und großen Gullydeckeln auf den 152 km Fahrstrecke vom Münchner Flughafen vorzubeugen. Laut Zeitungsinformationen waren 17.000 bayrische Polizisten im Einsatz (laut dem Polizei-Abschlussbericht waren es aber tatsächlich ‘nur’ gut 6.000), 3.000 aus dem gesamten übrigen Bundesgebiet und 2.100 aus Österreich. Bei dem Sommerwetter der letzten Tage vor dem Gipfel hätte man auch von verordneten Beamten-Aktivurlaub im herrlichen bayrischen Alpenland sprechen können. Im benachbarten Garmisch-Partenkirchen wurde eigens ein Schnellgericht zur geräuschlosen Aburteilung von Krawallmachern eingerichtet. Einheimische wollen sogar gesehen haben, dass vorsorglich Hunderte Särge nach Mittenwald geliefert wurden. Das kann ich nicht bestätigen, wohl aber die Existenz eines Feldlazaretts, das wir gegenüber der Abzweigung von der B11 in Klais gesehen haben.

Wieder zu Hause im Münchner Osten, hörten wir am Morgen des 7.6. gegen 6:30 Uhr mehrere Bell/Boeing V-22 ‘Osprey’ Schwenkflügler über unseren Wohnort hinwegdonnern, in denen Obama mit seiner engsten Crew vom Flughafen München zum eigens angelegten Hubschrauber-Landeplatz am Tagungsort gebracht wurde, und von denen wir am Freitag gegen14 Uhr beim Abstieg vom Jochberg schon einen bei einem Übungsflug nach Elmau gesichtet hatten. Die übrigen sechs Staats- und Regierungschefs wurden von der Bundespolizei in Hubschraubern geflogen.

Horrende Kosten

Der ganze Spaß kostet nach Schätzungen des Bundes der Steuerzahler ‘schlanke’ 330 Millionen Euro. Bei den wochenlangen ganztägigen Sondereinsätzen des riesigen Sicherheitsapparates mit entsprechend vielen Hotelübernachtungen und angeblich 11,50€ für Leberkäse mit Kartoffelsalat und Senf dürfte das für Teile der einheimischen Gastronomie eine gute Gelegenheit gewesen sein, sich eine staatlich subventionierte goldene Nase zu  verdienen. Längst nicht für alle, denn vielfach blieb die normale Kundschaft fern. Dass der Schlossherr von Elmau für die edelsten 200m²-Suites mit Rundum-Versorgung incl. Thai-Massage und sitzbeheizter Toilette mit automatischer Genitalwäsche (worüber Pro7 wissbegierige Kinder am 5.6. etwas verklausuliert aufklärte) um die 2.400€ kassiert, ist das in Relation ja noch überschaubar. Und zahlen müssen es eh nicht die Einladende(n), sondern die Steuerpflichtigen in Deutschland, natürlich wie immer ohne gefragt zu werden.

Menschenleben?

Dass dieser Wahnsinns-Aufwand  geschicktem Lobbyismus der Security-Industrie zu verdanken ist, ist für mich noch die freundlichste Erklärung. Oder haben wir es da mit schlichter Paranoidität zu tun? Sicherlich wollte sich der bayrische Innenminister keine Blöße geben, schon gar nicht nach den für seinen hessischen Kollegen sicherlich peinlichen Gewalt-Szenen bei der Einweihung des neuen €uro(tiker)-Tempels am 18.3. in Frankfurt am Main. Dass es bei den Demonstrationen im Vorfeld des Gipfels und auch noch während dessen Verlaufes zu keinen größeren Gewalttaten kam, ist m.E. weniger dem Schutz-Gebet der regierungs-unkritischen “Wächterrufer” zu verdanken als dem massiven Polizeiaufgebot. Man kann sich auch ernsthaft fragen, ob es den Aufwand wert ist, hier sieben doch letztlich in ihrer Funktion ersetzbare Menschen zwei Tage lang (noch dazu in Super-Luxus) abzusichern, während man mit dem Geld in Entwicklungsländern eine Million Menschen ein Jahr lang vor dem Verhungern hätte retten können. Einen handfesten positiven Effekt hatte ein bestimmter Teil der Sicherheitsmaßnahmen aber tatsächlich: Durch die (leider nur) vorübergehende Wiedereinführung der Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raumes wurden etliche Straftäter und illegale Einwanderer gefasst.

Lebendige Demokratie?

Während bei den Pegida- und AntiFanten-Demonstrationen sich die Regierung und sonstige “Gutmenschen” noch gebrüstet hatten, dass die aufmarschierten Pegida-Gegner (teils) in der Überzahl waren, können sie diesmal  nicht mal daran denken, das zu tun, so mickrig muss die Zahl derer gewesen sein, die für den G7-Gipfel freiwillig auf die Straße gingen — gab es überhaupt welche? Wenn angesichts weit über 34.000 Gegen-Demonstranten Merkel von “lebendiger Demokratie” schwafelt, ist das glatter Hohn. Die Regierungschefs sollten sich vielmehr ernsthaft Gedanken machen, ob sie bei ihren Entscheidungen jemals nach dem Willen des Volkes gefragt haben, statt sich von den Versprechungen und Forderungen von Strategen und Lobbyisten leiten zu lassen. Oder wie eine alte Garmischerin sehr treffend kommentierte: „Wenn ich mich als Politiker hinter 20.000 Polizisten verstecken muss, dann ist da doch was faul.”

G8 = G7 minus 1

Vor gut einem Jahr hatte man Russland bzw. Putin aus dem illustren Kreis der selbsternannten wichtigsten (westlichen) Industrienationen herausgeworfen, weil man ihm die durch ein Referendum legitimierte Angliederung der Krim übelgenommen hatte. Dabei hätte man viel mehr Grund gehabt, die USA bzw. Obarma rauszuwerfen, angesichts vieler südamerikanischer und nahöstlicher Staatschefs, die das US-Regime auf dem Gewissen hat, der vielen Länder, die es in den letzten Jahrzehnten ins Chaos gestürzt hat und der Millionen von Menschenleben, die das alles gekostet hat und Obamas grober Heuchelei, der trotz Friedensnobelpreis und entgegen seiner Wahlversprechen etwa Guantanamo nicht geschlossen und den Völkermord der Türken an den Armeniern nicht beim Namen genannt hat.

Friedens- oder Kriegs-gespräche?

Dass dieser Gipfel laut Merkel so wertvoll für den Frieden sei, weil man dort doch in Ruhe miteinander rede, ist ebenfalls blanker Hohn — ging es doch in erster Linie um den Ukraine-Konflikt und wie man Russland dabei noch mehr als bisher schaden kann, wobei man mit den Betroffenen ganz offensichtlich eben nicht reden will. Angesichts der laufenden Propaganda war vielmehr zu befürchten, dass Obama die US-Vasallen unter NATO-Flagge auf den nächsten größeren Waffengang des Imperiums einschwört, diesmal direkt vor der Haustür Russlands. Eine Gegen-Demonstrantin in Garmisch hatte recht treffende auf ihr Schild geschrieben: 7 Zwerge hinter 7 Bergen maßen sich an, über Klima, Kapital und Krieg gegen 7 Mrd. Menschen zu entscheiden!

One thought on “G7-Gipfel auf Schloss Elmau und Bilderberger-Treffen in Telfs”

  1. Es ist höchst Interessant. Die knappe und genau beschriebene Konferenz mit den Zielen derselben, mit dem wahnsinnigen Aufwand, und der offensichtlichen Verachtung der Menschen. Es gibt nichts geheimes was nicht ans Licht kommen wird.

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